Done is better than perfect – Wirklich? Nee, einen S****ß muss ich.

perfektionismuss kann wirklich gut sein

Oder: warum du nicht jeden Trend mitmachen musst.

Elke von www.federfuehrend-media.de hat eine neue Blogparade eröffnet. In der heißt es: „Einen S****ß muss ich – warum man nicht jeden Trend mitmachen muss!“

Ich muss zwar nicht, habe aber große Lust, dabei zu sein. Gesagt, getan!

Der Trend, dem ich (in gewisser Maßen) den Rücken kehre, hat seinen Ursprung bei Mark Zuckerberg.

Der Begründer und CEO von Facebook hat mit seinem Unternehmen einen riesigen Erfolg. Einer seiner bekannten Erfolgsstrategien lautet “Done is better than perfect”! Das bedeutet so viel wie: Etwas getan zu haben ist besser als (unendliches) Perfektionieren. Für Mark Zuckerberg scheint dieses Prinzip so bedeutend, dass er es in seinen Unterlagen zum Börsengang verzeichnet hat.

Und auch von vielen Selbstständigen höre oder lese ich, dass sie diesem Prinzip folgen. Immer mehr geht es um Hauptsache machen.

Da spricht auch nichts gegen. Doch oft wird es völlig falsch verstanden. Oder führt zu einer Interpretation, die nicht im Sinne des Facebook CEO gewesen sein kann.

Oder glaubst du, Mark Zuckerberg wollte, dass du schlampig arbeitest?

Was “Done is better than perfect” nicht bedeuten sollte!

Keine Zeit. Kein Geld. Keine Lust.

Irgendwie wird es schon passen. Also raus mit der Grafik, dem Facebook-Beitrag, der Landingpage, dem Bild, dem Angebot, dem Produkt. Egal was! Nicht perfekt. Aber es wird getan.

Und es funktioniert. Irgendwie. Also wird jetzt nur noch wie wild rausgehauen. Ohne lange zu planen und die Dinge perfekt machen zu wollen.

Immer schneller. Mit immer weniger Kontrolle.

Irgendwann wird es schlampig.

Was soll’s? Mit diesem Vorgehen schaffst du immerhin viel mehr in viel kürzerer Zeit. Aber was ist mit deinem Qualitätsanspruch? Und mit dem deiner Kunden?

Eine qualitativ hochwertige Arbeit sollte immer in deinem Fokus liegen. Es sollte oberste Priorität haben, denn qualitativ hochwertige Arbeit bietet dir einen enormen Mehrwert.

Zumal nur zufriedene Kunden zu Wiederkäufern werden oder dich weiterempfehlen. Alles, was du tust, wirkt sich auf dein Geschäft aus; spiegelt wieder, wer du bist und welche Werte du lebst.

Warum sollten deine Kunden etwas weiterempfehlen, wenn sie dein Angebot und dein Handeln als wenig hochwertig einstufen? Oder gar daraufhin noch einmal bei dir kaufen?

Sicher kann man auch mit dieser Strategie Erfolg haben. Irgendwie. Immerhin ist Erfolg ein dehnbarer Begriff.

Aber was möchtest du wirklich? Einfach so vor dich hin werkeln? Irgendwie über die Runden kommen? Oder deinem Herzensprojekt folgen? Dir deinen Traum erfüllen und von dem leben können, was dich begeistert? Was deine Kunden begeistert?

Dann solltest du auf Qualität Wert legen, anstatt Projekte einfach so rauszuhauen.

Ist perfekt besser als einfach machen?

Bedeutet das, dass Mark Zuckerbergs anscheinend so geliebtes Prinzip völliger Unsinn ist? Dass du alles perfekt heraushauen solltest? Vielleicht sogar überperfekt? Immer 180 Prozent geben?

Nein, auf keinen Fall. Ich glaube, Mark Zuckerbergs Aussage wird in den meisten Fällen eben nur falsch verstanden. Und deshalb falsch ausgeführt. Und als Entschuldigung für Mittelmäßigkeit genutzt.

Denn es ist nicht die richtige Lösung, wenn du Dinge unperfekt heraushauen möchtest, weil du keine Lust hast, dir die Mehrarbeit zu machen. Wenn es dir einfach zu anstrengend ist, dein Projekt perfekt zu beenden. Oder, wenn du einfach kein Geld ausgeben möchtest, um es perfekt zu machen.

Wann ist das Prinzip aber genau das Richtige für dich?

Es gibt Situationen, in denen du Zuckerbergs Rat befolgen solltest. Im richtigen Moment kann es dir einen enormen Schub nach vorne geben.

Du fragst, wann das ist?

Wenn du dich in deiner Perfektion verlierst und du kein Ende findest!

Gehörst du zu den Menschen, die einfach kein Ende in ihrem Planen und Schaffen finden? Angebote müssen unendlich lange aus- und vor allem umformuliert werden. Die Texte für die Webseite sind auch noch nicht optimal? Fängst du dann an, ewig Sätze hin- und herzuschieben? Wörter auszutauschen?

Willst du immer 180 Prozent geben? Und wenn du die 180 erreicht hast, findest du es immer noch nicht gut genug?

Verrückst du in deinen Flyern ständig die Grafiken? Ein paar Millimeter nach rechts, ein paar Millimeter nach links. Oder doch lieber nach oben?

Ein wenig Perfektionismus halte ich für ausgesprochen gut. Hierbei geht es aber darum, hochwertige Arbeit zu liefern. Und nicht des Perfektionismus wegen.

Du musst entscheiden, wann dir (oder besser deinen Kunden) dein Perfektionismus auch einen Mehrwert liefert. Denn dann ist er Gold wert.

Wenn dir einfach die nötigen Ressourcen fehlen.

Du hast eine super Idee, die du umsetzen möchtest? Aber, um das perfekt auszuführen fehlen dir die nötigen Mittel? Egal was: Zeit, Geld, Können. In diesem Fall ist es ebenfalls sehr ratsam, deine Idee nicht perfekt zu starten.

Du möchtest zum Beispiel eine Webseite haben? Hast weder das Wissen, diese selbst zu gestalten noch das nötige Kleingeld, um dir eine Seite programmieren zu lassen? Beschäftige dich mit dem Thema. Es gibt verschiedene Baukasten-Systeme, mit denen du dir als Anfänger deine eigene Homepage zaubern kannst. So bist du online erst mal sichtbar. Nicht perfekt, aber besser als gar nicht.

Wichtig ist hierbei nicht zu stagnieren und es auf die To-Do-Liste zu setzen. Und sobald das nötige Kleingeld vorhanden ist, einen Profi ranzulassen.

Wenn du dein Angebot testen und anpassen möchtest.

Du hast noch gar keine genaue Vorstellung, wohin die Reise gehen soll. Es gibt nur eine vage Idee und grobe Richtung. Du weißt nicht, wie deine Zielgruppe dein nächstes Projekt annimmt? Dann kann es auch ratsam sein, im Vorfeld nicht alles bis ins kleinste Detail zu planen. Sondern einfach zu machen. Und auf die Reaktionen deines Publikums zu warten. Danach kannst du dein Projekt, sei es eine Serviceleistung, ein Produkt oder einfach ein Design, anpassen.

Wenn du damit der Erste sein kannst

Ein Marketing-Prinzip sagt: Sei der Erste auf dem Markt (wenn du es sein kannst). Du hast eine Idee, ein Konzept oder ein Produkt, welches es so noch nicht gibt. Dann raus damit, bevor ein anderer ebenfalls auf die Idee kommt. Hier gilt ebenfalls „done is better than perfect“. Der Erste zu sein bietet einen enormen Vorteil gegenüber deiner Konkurrenz. Niemand erinnert sich an den zweiten Mann auf dem Mond. Coca-Cola ist immer noch die Nummer eins aller Kola-Getränke. Aber auch hier gilt, nicht schlampig arbeiten und Qualität liefern. Und gegebenenfalls nacharbeiten.

Fazit

Es lässt sich darüber streiten: Ob ein gewisser Perfektionismus krank macht oder nicht. Ob „gut“ sein vielleicht nicht doch ausreicht. Und ob das Unperfekte nicht gerade perfekt ist.

Alles hat seine Berechtigung. Es kommt auf die gesunde Mischung an. Nichts spricht dagegen, wenn du in deinem Herzensprojekt bei gewissen Bereichen auf Perfektion achtest. Immerhin hast du auch eine Vision. Es gilt, diese zu erfüllen. Da kommt es manchmal (oder auch oft) auf Details an.

Einen gewissen Anspruch an dich, deine Arbeit und dein Auftreten zu haben – ist gut. Das trennt am Ende die Spreu vom Weizen. Mittelmäßig kann jeder – sei immer besser.

Es macht aber auch nichts, wenn etwas nicht so perfekt läuft. Denn du und auch ich sind in den seltensten Fällen perfekt. Seine Fehler zu zeigen, bedeutet, authentisch zu sein. Authentisch zu sein, bedeutet, ehrlich zu sein. Ehrlich zu sein, bedeutet Vertrauen schaffen. Und Vertrauen ist letztendlich das A und O der Kundenbindung.

Sich in Perfektionismus zu verlieren (hier liegt die Betonung auf „sich zu verlieren“) kostet: Zeit, Geld und Energie!

Du solltest abwägen, wo Perfektionismus wirklich angebracht ist. Und in welchem Bereich ein Gut auch reichen kann. Oder wo ein einfaches Tun auch seinen Zweck erfüllt.

Zwei Dinge dürfen in deinem Business aber nicht passieren:

Zum einen, dass du dich in deinem Perfektionismus verlierst. Und deshalb nicht ins Handeln kommst. Denn alleine vom Träumen und Planen stellt sich kein Erfolg ein.
Du musst auch etwas tun.

Zum anderen, dass du nur etwas unperfekt heraushaust, weil es ja einfach besser sei als unendliches Perfektionieren. Du solltest „Done is better than perfect“ nicht als Entschuldigung für dauerhafte Mittelmäßigkeit nutzen.

Drei Fragen, die du dir stellen solltest:

Setz dich einfach mal hin. Schnapp dir Stift und Papier. Oder dein Notebook/PC/MAC.

Es ist wirklich wichtig, dass du dir das aufschreibst.

Beantworte dir selbst diese Fragen:

1) Wo legst du besonders Wert drauf, welche Aufgaben sollten zu 100 Prozent laufen?

2) Bei welchen dieser 100 Prozent-Aufgaben verlierst du dich in deiner Perfektion?

3) Bei welchen dieser Aufgaben wären vielleicht 80 oder gar 60 Prozent auch gut?

Sich diese Fragen zu vergegenwärtigen, kann dich schon einen enormen Schritt weiterbringen. Versuch es einfach mal.

Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar hinterlässt. Bist du Perfektionist? Wenn ja, bei was? Und bremst es dich oder bringt es dich voran?

6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Lieber Pascal,
    wow, was für ein großartiger Artikel! Ich fühle mich erwischt 😉 Und zwar wirklich in zweierlei Hinsicht: Seit ich „Done is better than perfect“ kenne und es schaffe, das auch umzusetzen, geht’s mir in vielerlei Hinsicht besser. Aber ich merke auch, dass die Gefahr da ist, dass man dann eben irgendwann schludert und nicht mehr alles gibt. Wie so oft ist der Mittelweg schwer zu finden und zu halten.
    Danke für deinen Artikel, der zumindest mir dabei hilft, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren und dranzubleiben, wenn etwas noch nicht perfekt ist.
    Viele Grüße
    Elke

    1. Hallo Elke,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Auch vielen Dank für den Input und die Möglichkeit an deiner Blogparade teilzunehmen. Es freut mich sehr, dass dir der Artikel gefällt.

      Was den Mittelweg angeht, sehe ich das wie du.

      Viele Grüße

      Pascal

  2. Hey Pascal,

    wow, da hast du einen Knaller-Artikel rausgehauen! Auf den Punkt formuliert. Als bekennende Perfektionistin kann ich dir nur zustimmen. Am Anfang meiner Selbständigkeit hat mich das sehr gebremst. Mittlerweile habe ich verstanden, dass 80% manchmal auch reichen – zumindest, um ins Tun zu kommen 😉

    Liebe Grüße
    Carina

    1. Hey Carina,

      Vielen Dank! Jepp, sehe ich auch so: 80 % reichen um ins Tun zu kommen. Hin und wieder reicht auch weniger. Man sollte nur im Blick behalten, wann der richtige Zeitpunkt dafür ist und wann nicht.

      Bekennende Perfektionisten gefällt mir. Da schließe ich mich an.

      Viele Grüße

      Pascal

  3. Hallo Pascal,

    danke für den Artikel. Oft brauchen wir etwas von der Gegenposition, um uns weiter zu entwickeln oder voran zu kommen. Als Perfektionist kommt man oft nicht voran, weil nichts fertig wird, um Ergebnisse zu bringen.

    Und als Schlendrian darf es manchmal ein „bißchen mehr Konzentration“ sein, um nicht durch zu fallen.

    Cool, dass du dran erinnerst.

    SinnSTIFTende Grüße,
    David

    1. Hallo David,

      sehr gerne.

      Ich danke dir für deinen Kommentar.

      Und sehe das auch so. Von dem einen oder anderen zu viel, kann uns ganz schön in unserer Entwicklung stören. Hier ist die Kunst den Mittelweg zu finden. Jeden Tag aufs Neue.

      Viele Grüße

      Pascal

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